Israel 1993

Reine Nervensache

6. Tag, Sonntag, 04. Juli 1993
Haifa - Tel Aviv - Nehalim
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Bericht von Anja und Conny



Eigentlich dachten wir, daß wir an diesem Tag einfach unsere bestellten Kleinbusse abholen würden, um dann nach einem Zwischenstopp in Tel Aviv, wo wir das Diaspora Museum besichtigen wollten, nach Nehalim zu fahren. Aber Pustekuchen. Die Autovermietung in Haifa hatte verschwitzt, daß wir zwei, und nicht nur einen Kleinbus bestellt hatten. Die Leute in der Autovermietung entschuldigten sich tausend mal und wollten versuchen trotzdem noch einen zweiten Bus zu besorgen. So saßen wir nun auf unseren Koffern vor dem Gästehaus und warteten und warteten und warteten.

Irgendwann kam Joachim mit der sehr traurigen Nachricht, daß er die Führung im Diaspora Museum abgesagt habe. Wir waren so enttäuscht, daß wir uns gerade noch beherrschen konnten, keinen Freudentanz aufzuführen.

Am späten Vormittag stand dann endgültig fest, daß wir nur einen Kleinbus und drei Autos bekommen würden. Gisela sollte den Kleinbus fahren und Peter, Aléxandros und Joachim sollten die drei Autos in Bewegung bringen.

Ein paar der Mädchen sprachen sich kurzerhand ab, bei Gisela mitzufahren. Im Nachhinein müssen wir uns allerdings eingestehen, daß diese Aktion den anderen gegenüber nicht ganz fair war. Die anderen fühlten sich zu Recht übergangen und waren teilweise auch einigermaßen sauer auf uns. So verteilten sie sich auf die Fahrzeuge. Peter, Michael, Uli und Martina belegten dann gemeinsam ein Auto. Aléxandros, Regina, Konrad und Sandy teilten sich einen weiteren Wagen und Joachim saß mit Dirk und André im dritten Fahrzeug.
Israel - Haifa - Bet Ruthenberg: Warten
Warten








Israel - Haifa - Beth Rutenberg: noch länger Warten
Noch länger Warten

Gegen 11.40 setzte sich unser Convoy endlich in Bewegung. Während die meisten Leute in den Autos (außer den Fahrern selbstverständlich) schliefen, war die Stimmung im Bus spitze. Wir grölten (denn singen konnte man es wohl nicht nennen) ein Lied nach dem anderen, bis auch wir müder und ruhiger wurden. Zunächst fuhren wir zum Flughafen von Tel Aviv, um dort von der Autovermietung El Dan (merkt euch diesen nicht empfehlenswerten Namen) die drei Autos gegen einen Kleinbus einzutauschen. Allerdings war es anfangs zweifelhaft, ob dieser Tausch so gut war. Der neue Kleinbus entpuppte sich als Mini-Kakerlakenfarm. Diejenigen, die bei Joachim im Bus mitfahren sollten, konnten so zunächst ihre Talente als Kammerjäger unter Beweis stellen.

Dieser Tag war bis dahin schon ziemlich verkorkst, doch das Chaos schien kein Ende zu nehmen. Zwischenzeitlich hatten wir noch vor einige Stunden durch Tel Aviv zu bummeln, jedoch als wir abgeschlafft und kaputt am Flughafen saßen, kam Joachim auf die Idee, direkt nach Nehalim zu fahren, was von uns ohne jeden Widerstand angenommen wurde. Bevor unsere Fahrt weiter gehen sollte, wollte Joachim nur kurz bei Miriam anrufen. Miriam ist eine israelische Lehrerin, die Joachim auf einem deutsch-israelischen Lehrertreffen kennenlernte und die unsere Gruppe zu sich einlud. Als Joachim vom Telefonieren zurückkam berichtete er uns, daß Miriam uns bereits seit einiger Zeit erwartete.

Also fuhren wir gleich los. Giselas Fahrstil war zwar immer noch etwas zaghaft, doch ihr blieb auf die Dauer gar nichts anderes übrig, als immer forscher zu fahren. Israelis haben nämlich einen grauenhaften Fahrstil, der dem der Italiener schon sehr ähnlich ist. Wenn man sich da nicht anpaßt, kommt man an manchen Stellen überhaupt nicht vom Fleck. In Tel Aviv bzw. auf dem Weg zu Miriam war es besonders schlimm. Wir fuhren auf einer zweispurigen, breiten Straße in Richtung Nehalim, doch die vielen Automassen, machten daraus einfach eine dreispurige Straße. Wir fuhren auf der mittleren Spur, als ein Bus, der direkt neben uns fuhr, auf unsere Spur rüberzog. Den Busfahrer schien es überhaupt nicht zu interessieren, daß er uns abdrängte. Als der Bus unseren Spiegel fast abriß, hupte Gisela und der Bus hielt kurz an. Wir mußten sogar zurücksetzen, damit wir unseren Spiegel umklappen konnten.

Israel - Moshav Nehalim: Bei Miriam
Bei Miriam









Israel - Moshaw Nehalim: Auf Freßtour im Moshaw
Auf Freßtour im Moshav


Trotz einiger Aufregung schafften wir es dann doch noch heil an unserer Unterkunft anzukommen, um dort unser Gepäck abzuliefern. Gleich anschließend fuhren wir zu Miriam. Als wir bei Miriam ankamen, meinte Joachim: "Jetzt fühl ich mich doch nach fünf Tagen endlich geschafft." Joachim konnte nur mit einem Lachen antworten. Miriam war eine hervorragende Gastgeberin. Sie bewirtete uns zuerst mit sehr viel Obst, Getränken und Popcorn, bevor uns ein Moshaw Mitglied die Geschichte des Moshaws erzählte. Anschließend zeigte uns Miriam ihr Grundstück. Es wurde zu einer regelrechten Freßtour. Zuerst durften wir frische Pfirsiche direkt vom Baum probieren (so süße Pfirsiche habe ich bei uns noch nie gegessen). Danach lutschten wir Honig aus Waben, von denen manch einer nicht genug bekommen konnte und zum krönenden Abschluß fuhren wir zu einem Weinberg. Stellt Euch dicke, süße Weintrauben vor, die noch direkt an der Rebe hängen. Dann könnt ihr Euch vielleicht vorstellen, was wir vor uns hatten. Wir hatten uns nachher den Bauch so vollgestopft, daß sich die wenigsten von uns vorstellen konnten, abends noch etwas zu essen.

Später, als wir dann zurück zu unserer Unterkunft fuhren, begleitete uns Miriam noch mal, um uns den Weg zu einem Supermarkt zu zeigen. Die Ladenbesitzer müssen gedacht haben, sie würden überfallen. Wie eine wild gewordene Horde, stürmten wir alle den Laden. Die Lebensmittel in den Regalen sahen ja alle recht nett aus, doch einige von uns waren bestimmt recht froh, daß Miriam uns als Dolmetscherin dienen konnte. Schließlich konnte man nicht alle Lebensmittel anhand der Zutatenliste, die manchmal in Englisch geschrieben war, eindeutig identifizieren. Als ich nach einiger Zeit an der Kasse stand, hörte ich zufällig, wie Joachim zu Miriam meinte: "Die kaufen alle schon für's Tote Meer ein." Ich bekam einen mittelmäßigen Schrecken, da meine Lebensmittel meiner Vermutung nach, nur für den Abend reichen würden. Also fragte ich Joachim, ob es denn am Toten Meer nichts mehr zu kaufen gäbe. Joachim lachte und antwortete: "Doch da ist auch noch Welt". Das wiederum beruhigte mich ungemein.

Als wir alle unseren Lebensmittelbedarf für's erste gedeckt hatten, erreichten wir auch irgendwann kurz darauf unser Domizil. Gleich nach unserer Ankunft hieß es dann schon wieder "Essen fassen". Mit mindergroßem Appetit betraten wir den Speisesaal und standen vor einer weiteren Überraschung des Tages, nämlich dem Büfett. Es befanden sich zwar einige Jugendliche (um es genau zu sagen, drei Jugendliche) hinter dem Büfett, doch diese konnten uns auch nicht sagen, was da vor uns stand. Sie konnten nämlich genauso gut Englisch sprechen, wie wir hebräisch. Also schöpfte sich jeder irgend etwas auf den Teller. Als ich dann mein Abendmahl probierte, stellte ich fest, daß ich mir einen süßen Obstquark oder -pudding direkt mit einem mayonnaisehaltigen Irgendwas auf den Teller gegeben hatte. Wie ich so mitbekam, war ich aber nicht die einzige, die mit der Essenswahl Probleme hatte. Aber auch das längste Abendmahl findet sein Ende und wir fanden unsere Schlafräume. Die Zimmer waren einfach genial. Die meisten Räume hatten eine sehr individuelle Wandfarbe, die teil aus platt gekloppten Insekten und teils aus undefinierbaren Schriftzügen bestand.
Israel - Moshav Nehalim: Weinstöcke
Weintrauben








Israel - Moshav Nehalim
Am Abend








Israel - Moshav Nehalim
Während der Nacht setzte
die große Flucht vor den
"Mörder-Kakerlaken" in den
Zimmern ein. So fand sich
am nächsten Morgen der
größteTeil der Truppe im
im Innenhof wieder. Womit
klar wird, wer Sieger bleibt
im Kampf Mensch vs. Insekt.




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